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Ärzte Zeitung, 07.12.2007

KV-Chef Büchner übersteht Abwahlanträge

Keine Zweidrittelmehrheit für Amtsenthebung in Schleswig-Holstein / Delegierte sehen Außendarstellung des Vorstands kritisch

BAD SEGEBERG (di). Der Vorstand der KV Schleswig-Holstein bleibt im Amt. Für eine Amtsenthebung von KV-Chef Ralf Büchner gab es am Mittwochabend nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Abgeordnetenversammlung.

Nach stundenlanger Klausur forderten die Abgeordneten den Vorstand auf, zur Zusammenarbeit zurückzufinden. Der Plausibilitätsausschuss soll weiter ermitteln - ob noch in diesem Jahr ein Ergebnis vorliegen wird, ist offen. Das von manchen Ärzten geforderte Amtsenthebungsverfahren auch von Büchners Vorstandskollegen Dr. Ingeborg Kreuz und Dr. Ralph Ennenbach stand nicht auf der Tagesordnung. 

Klima im KV-Vorstand näherte sich der Frostgrenze

In den vergangenen Wochen hatte sich die Zusammenarbeit zwischen Büchner und seinen beiden Kollegen zunehmend verschlechtert. Vorläufiger Höhepunkt waren Anschuldigungen an Büchner in Zusammenhang mit dessen Abrechnung. Wie der Plausibilitätsausschuss diese Anschuldigungen bewertet, wird vertraulich behandelt.

Der Hausärztechef in Schleswig-Holstein, Nicolay Breyer, ist froh über die Entscheidung. Eine Abwahl des Vorstands hätte aus seiner Sicht ein Machtvakuum erzeugt. Breyer, der selbst Abgeordneter ist, hält eine vernünftige Zusammenarbeit des Vorstands künftig für möglich.

Kritik am "Weg des geringsten Widerstands"

Das sehen andere Ärzte deutlich kritischer. Dr. Axel Schroeder, Vorsitzender der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände, sprach von mangelnder Entscheidungsfreudigkeit der Abgeordnetenversammlung. "Der Weg des geringsten Widerstands löst nicht die Probleme", sagte Schroeder. Er fragt sich, ob der Vorstand überhaupt noch geschäftsfähig ist.

Auch Dr. Svante Gehring, Vorsitzender der Ärztevereinigung Underdocs, ist skeptisch, ob die drei Vorstandsmitglieder nach der Vorgeschichte noch vertrauensvoll zusammenarbeiten können. "Ein sauberer Schnitt wäre besser gewesen. Nebenkriegsschauplätze kann sich die KV nicht leisten", sagte Gehring. Er hätte einen Rücktritt des kompletten Vorstands favorisiert. In seiner Praxis wird er von Patienten auf das Thema angesprochen, für ihn steht deshalb fest: "Der Schaden ist angerichtet."

Auch Hartmannbund-Vize Dr. Jörg Stüber hält die Entscheidung persönlich für "keine gute Lösung". "Jetzt muss man abwarten, ob der Vorstand die KV nach außen noch gut vertreten kann." Er gibt zu bedenken, dass die Außendarstellung der KV von den Ärzten kritisch gesehen wird. 

Kiels hausärztlicher Netzvorstand Matthias Seusing wertet die Entscheidung der Abgeordneten als positives Zeichen für Büchner. Er fordert, die Vorwürfe wegen angeblichen Abrechnungsbetruges und die vorstandsinternen Probleme strikt zu trennen. Seusing befürchtet, dass die Verhandlungsposition der KV künftig geschwächt sein könnte.

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung Verlags-GmbH               


Ärzte Zeitung, 27.11.2007

Ärzteverbund fordert Rücktritt des KV-Vorstands

NORDERSTEDT (di). Die Ärzteorganisation Underdocs fordert den Rücktritt des gesamten KV-Vorstands in Schleswig-Holstein.

Der Underdocs-Vorsitzende Dr. Svante Gehring begründet die Forderung mit "Intrigenspiel und gesteuertem Rufmord". Ein Rücktritt des Vorstands könnte nach seiner Einschätzung Schaden vom Amt abwenden und helfen, dem Vorwurf des Abrechungsbetrugs "mit Bedacht entgegentreten zu können". Die Underdocs riefen zugleich alle Ärzteverbände zu einem übergreifenden Bündnis außerhalb des KV-Systems auf, um die "Interessen der niedergelassenen Ärzte endlich mit Nachdruck vertreten zu können".

In Schleswig-Holstein wird es am 5. Dezember zu einer Klausurtagung kommen, bei der die KV-Delegierten über eine Amtsenthebung des Vorstands beraten (wir berichteten). KV-Chef Ralf Büchner wehrt sich indes gegen den Vorwurf des Abrechnungsbetrugs. Die damit befassten Gremien sind noch zu keiner abschließenden Bewertung gelangt.

Quelle: Ärztezeitung, 27.11.2007 oder als pdf (42 KB)


Ärzte Zeitung, 25.11.2007

UnderDOCs fordern Rücktritt des gesamten KVSH-Vorstandes

Die Ärztevereinigung "UnderDOCs" zeigt sich nach eigenen Worten "entsetzt über die Schlammschlacht gegen den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Ralf W. Büchner". Der gesamte Vorstand müsse zurücktreten, heißt es in einer Presseerklärung. „Haben wir denn nichts Besseres zu tun und müssen uns in diesen schwierigen Zeiten auch noch gegenseitig die Köpfe einschlagen“, fragt der Vorsitzende Dr. Svante Gehring in dem Schreiben. Die "UnderDOCs" seien über die Art entsetzt, wie Büchner "abserviert werden soll".

Nach Einschätzung von Gehring muss Büchner jetzt zurücktreten, um weiteren Schaden von seinem Amt abzuwenden und um den Vorwurf des Abrechnungsbetruges mit Bedacht entgegentreten zu können. „Die Schlammschlacht muss beendet werden, der Rest-Vorstand sollte soviel Anstand haben und nach dem Intrigenspiel und gesteuerten Rufmord ebenfalls zurücktreten“, fordert der "UnderDOCs"-Vorsitzende. Gleichzeitig rief er alle Ärzteverbände auf, ein übegreifendes Bündnis außerhalb des KV-Systems zu organisieren, damit die Interessen der niedergelassenen Ärzte endlich mit Nachdruck vertreten werden können. 



Quelle: Ärztezeitung, 25.11.2007 oder als pdf (42 KB)


ÄRZTLICHE PRAXIS Nr. 44 • 30. Oktober 2007

UnderDOCs – die Kämpfer von der Basis

Dr. Svante Gehring, Vorsitzender der Protestorganisation wütender Ärzte: "Wir wollen das beste Ergebnis für Patienten"

 NORDERSTEDT – Sie fühlen sich als Auslaufmodell, als Handlanger, Kasper und Befehlsempfänger der Krankenkassen – die Protest-Ärzte-Organisation  "UnderDOCs." Vor rund einem Jahr, im November 2006, haben sich die  "wütenden Ärzte an der Basis" zusammengeschlossen. Ihre Vereinsmaxime ist unmissverständlich:  "Wir, die Ärzte, wollen das beste Ergebnis für unsere Patienten. Dem muss sich alles unterordnen", sagt der Erste Vorsitzende Dr. Svante Gehring im Gespräch mit ÄP-Mitarbeiterin Alexa Fuchswinkel. Dem Wirrwarr gesetzlicher Bestimmungen stellen die UnderDOCs schlichte Wahrheiten entgegen.  "Der Pfusch von heute macht die Kosten von morgen", meint der Norderstedter Internist.  "Wir müssen heute beste Qualität abliefern, um in Zukunft sparen zu können."

Das gesamte Interview als pdf (973 KB)


Ärzte Zeitung, 05.10.2007

Einig im Protest, nicht in der Perspektive

Die Unzufriedenheit vieler Niedergelassener sucht ein Ventil - Tempo und Umstände eines GKV-Ausstiegs sind strittig

HAMBURG. Schlechte Zeiten für gute Medizin? Das Fragezeichen hinter dem Motto einer Veranstaltung im Hamburger Ärztehaus war nach Meinung der meisten Besucher überflüssig. Wie man bessere Zeiten schafft, darüber gingen die Meinungen auseinander. 

Von Dirk Schnack 

Ein Mann um die 60 mit grauem Haar und akkurater Kleidung wartet geduldig, bis der Moderator ihm das Wort erteilt. Wie ein Revoluzzer sieht er nicht aus, aber er redet wie einer. "Wir müssen das System durch unseren Ausstieg platt machen", fordert der Arzt seine Kollegen auf.

Die Unzufriedenheit mit einem System, in dem der Arzt seit etwa 30 Jahren als Niedergelassener gearbeitet hat, ist bei ihm genauso spürbar wie bei seinen 200 Kollegen, die trotz des Feiertags und herrlichen Wetters den schlichten Saal im Hamburger Ärztehaus einem Ausflug an die Binnenalster vorgezogen haben.

Der Mann ist nicht der einzige, der Aktionismus einfordert. Ein anderer regt Informationsmaterial für die Praxen an, mit denen die Patienten über die Perspektiven im deutschen Gesundheitswesen aufgeklärt werden, ein weiterer fordert Unterschriftenlisten. Die Forderung nach einer eigenen Vertragsgemeinschaft und nach einer eigenen Partei wird gestellt. Die Vorgänge im Gesundheitswesen erinnern einen Arzt an "postdemokratische Kontrolldiktaturen". Ein Kollege fasst zusammen, was wohl viele im Saal denken: "Weil wir so moderat waren, stehen wir da, wo wir heute sind."

Und dieser Standort gefällt niemandem. Denn er bedeutet, das haben die Redner auf Podium zuvor klar gemacht, den Weg in die Staatsmedizin. Wie man sich aber dagegen wehren soll, darüber gehen die Meinungen auch unter den Unzufriedenen auseinander. Die ganze Vielfalt der Protestler war an diesem Tag im Saal und auf dem Podium abgebildet. 

Zum Beispiel durch die niedergelassene Allgemeinärztin Dr. Silke Lüder aus Hamburg, die sich mit hohem persönlichen Einsatz gegen die elektronische Gesundheitskarte und DMP engagiert. "Ärzte als Anhängsel von Callcentern", während Großkonzerne das Gesundheitswesen zu einem nur für sie profitablen Geschäftsfeld ausbauen - diese Perspektive treibt die Hausärztin zum Protest. Oder der HNO-Arzt Dr. Dirk Heinrich, der das Aktionskomitee Hamburger Ärzte ins Leben gerufen hat und vehement gegen die Gesundheitspolitik von Ulla Schmidt eintritt. Er sieht die Gefahr einer "Proletarisierung der Ärzteschaft", die als Lohnabhängige nur noch Weisungen von oben umsetzen sollen. Zugleich setzt Heinrich aber auf die KV als Interessenvertretung.

Im Gegensatz dazu sieht Dr. Klaus Bittmann KVen und KBV kaum noch als geeignet an, die Interessen der Ärzte wirksam zu vertreten. Der Vorsitzende des NAV Virchowbundes und der Ärztegenossenschaften hält den Systemausstieg für nötig und möglich - aber nur, wenn dieser sorgsam vorbereitet wird und nicht sofort passiert.

Das wiederum strebt Martin Grauduszus an. Der Präsident der Freien Ärzteschaft will nicht auf jeden Bremser Rücksicht nehmen. Bittmanns Einwand, dass viele Ärzte zu hohe Schulden und damit Existenzängste hätten, entgegnet Grauduszus: "Gerade diese Kollegen brauchen eine neue Perspektive." Und die soll der Systemausstieg bieten.

Dr. Svante Gehring, der im Norden die UnderDocs ins Leben gerufen hat, setzt auf die Kraft der Basis. Vertrauen in die Körperschaften hat er nicht. Die gesetzlich beeinflusste Vertragspolitik etwa für Hausarztverträge betrachtet er als Bindungen für die teilnehmenden Ärzte.

Dr. Rainer Woltmann schließlich, Chef der Ärztegenossenschaft Nordwest, sprach von "hündisch unterwürfigen KV-Führungen", die wegen Sicherung des eigenen Einkommens "jeden ministeriellen Wink" ausführen. Er fasste zusammen, was vermutlich viele Zuhörer im Saal dachten: Er sieht eine Perspektive für die niedergelassenen Ärzte, wenn sie von der Selbstverwaltung zur Selbstorganisation übergehen.

FAZIT

Die Unzufriedenheit der niedergelassenen Ärzte über ihre Arbeitsbedingungen wächst. Verantwortlich machen sie in erster Linie die Gesundheitspolitiker, die viele als Bedrohung ihrer Freiberuflichkeit auffassen. Zugleich sind viele Ärzte aber enttäuscht von der Interessenvertretung durch KBV und KVen. Der Systemausstieg wird zunehmend als Ausweg betrachtet - gestritten wird inzwischen weniger über das Ob, als über den richtigen Zeitpunkt. (di)

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/10/05/173a0601.asp?cat=/politik
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Hamburger Abendblatt, 12.9.2007

Svante Gehring - der "UnderDoc" aus Norderstedt

Der Internist ist Sprecher einer Organisation, die den Kampf gegen den Wirrwarr gesetzlicher Bestimmungen und Vorgaben aufgenommen hat.

Von Andreas Burgmayer

Norderstedt -

Dr. Svante Gehring (44) sagt, er sei ein "Bar-Fuß-Arzt", einer, der noch "an der Front bei den Patienten" arbeite. Und das mache er gern. Trotz dem das herrschende Gesundheitssystem so ziemlich alles unternehme, um ihm die Arbeit zu vermiesen. "Ich bin ein Auslaufmodell, ein Handlanger, Kasper und Befehlsempfänger für die Krankenkassen", sagt Gehring. Er und viele seiner Kollegen sehen sich als die akademischen Underdogs der Gesellschaft. Besser: Die "UnderDocs".

Genau so nennt sich die Ärzte-Organisation, die im November 2006 gegründet wurde und deren Sprecher der Norderstedter Internist nun ist. "Wir haben etwa 40 zahlende Mitglieder und eine Menge Sympathisanten", sagt Dr. Gehring. Die "UnderDocs" wollen ein Verein für die "wütenden Ärzte an der Basis" sein. Die Vereins-Maxime ist unmissverständlich: "Wir, die Ärzte, wollen das beste Ergebnis für den Patienten. Dem muss sich alles unterordnen", sagt Svante Gehring. Dem Wirrwarr gesetzlicher Bestimmungen und Vorgaben stellen die "UnderDocs" schlichte Wahrheiten entgegen. Dr. Gehring: "Der Pfusch von heute macht die Kosten von morgen. Wir müssen heute beste Qualität abliefern, um in Zukunft sparen zu können ."

Nicht hilfreich sei es da, wenn Ärzte immer weiter geknebelt würden, etwa durch Preisfestlegungen in der Behandlung und durch einen Berg von derzeit etwa 600 Vorschriften, die im ärztlichen Alltag einzuhalten seien. Die "UnderDocs" wollen wieder den freien, selbstbestimmten Arzt. "Derzeit ist die Depression an der Basis groß. Die Ärzte sind zugeschüttet mit Arbeit, und sie haben immer weniger Spielraum in der Behandlung", sagt Dr. Gehring.

Die "UnderDocs" kritisieren allerdings nicht nur den Gesetzgeber oder die Krankenkassen. Sie setzen sich auch kritisch mit den Funktionären in den eigenen Reihen auseinander. Der Verein hat Anzeigen gegen die Praxisgebühr geschaltet und zum Beispiel das "Eiderstedter Manifest" gegen das "bürokratische Monstrum" der Disease-Management-Programme verabschiedet. Derzeit richtet sich der Protest der "UnderDocs" massiv gegen die Einführung der elektronischen Patientenkarte. Zusammen mit anderen Organisationen - der Freien Ärzteschaft, attac und dem Bund demokratischer Wissenschaftler - rufen sie zu einer Großdemonstration am 22. September in Berlin auf. Svante Gehring: "Die Karte ist eine Katastrophe. Aus unserer Sicht wird sie dazu führen, dass Patientendaten missbraucht werden. Wann und warum geht der Patient zum Arzt? Behandelt der Arzt teuer oder billig? Der Druck der Kassen auf beide wird steigen."

Seit dreieinhalb Jahren ist der Internist und Hausarzt Svante Gehring die eine Hälfte einer Partnerschaftspraxis an der Norderstedter Tannenhofstraße. Der gebürtige Düsseldorfer studierte in Lübeck, arbeitete dabei unter anderem am Forschungszentrum Borstel und lebt heute mit Frau und seinen vier Kindern in Norderstedt. "Ich bin hier verwurzelt, ich fühle mich wohl."

Das Modell des Hausarztes hat er verinnerlicht. "Es ist für mich die Möglichkeit, den Patienten langfristig zu betreuen und zu führen und dabei immer den Menschen in ihm zu sehen." Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen denkt er nicht an die Flucht ins Ausland. Er will lieber versuchen, hier das System zu verändern. Dr. Svante Gehring: "Arzt zu sein ist ein schöner Beruf, der mich komplett ausfüllt."

Copyright © Hamburger Abendblatt / abendblatt.de

Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/09/11/792722.html
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Ärzte Zeitung, 11.07.2007

Ärzte im Norden für Testausstieg

BAD SEGEBERG (di). Ärztegenossenschaft, Kieler Praxisnetz und die Ärzteorganisation Underdocs haben KV und Ärztekammer Schleswig-Holstein 500 Unterschriften von Ärzten überreicht, die Bedenken gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte haben. Sie forderten erneut, aus dem Kartentest in Flensburg auszusteigen, um die Bedenken der Ärzte zu unterstreichen. 

Dr. Svante Gehring von Underdocs sprach von einer "Ohnmacht unserer Körperschaften, die nur noch dort Spielräume besitzen, wo sie den Interessen von Staat und Wirtschaft dienen". E-Card und elektronische Patientenakte werden nach seiner Ansicht "als weiteres Steuerungs- und Gängelungsinstrument" gegen Ärzte missbraucht. 

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/07/11/127a1105.asp?cat=
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Ärzte Zeitung, 23.07.2007

Underdocs sehen E-Card als Gefahr für Einzelverträge

NORDERSTEDT (di). Die Ärzteorganisation Underdocs hat in einem offenen Brief an die Testregion Flensburg den Ausstieg aus dem Projekt zur Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte gefordert.

Mit der E-Card werden nach Ansicht des Underdocs-Vorsitzenden Dr. Svante Gehring den gesetzlichen Krankenkassen zu viele Daten zur Verfügung gestellt, mit denen Patienten-, Behandlungs- und Arztprofile erstellt werden können.

Folge: "In der schönen neuen Welt der Einzelverträge wird der nicht GKV-konforme Arzt in Zukunft keine Verträge mehr abschließen." Hausarzt Gehring verweist in dem Schreiben auf den Rückhalt der Kritiker an der Basis. So hatten seine und andere Organisationen kürzlich im Norden 500 Unterschriften gegen die E-Card gesammelt.

Auch der NAV Virchowbund hatte zuvor den Ausstieg aus den Testläufen gefordert. Die teilnehmenden Ärzte in Flensburg und die ärztlichen Körperschaften in Schleswig-Holstein sehen in der Beteiligung am Testlauf die beste Möglichkeit, ärztliche Interessen im Projekt einbringen zu können.

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/07/23/135a0405.asp?cat=/politik/gesundheitssystem_uns


Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 7/2007

Schleswig-Holstein
Generalversammlung Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein

Gegen Gesundheitskarte - für Fundamentalopposition

Die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein konnte auf ihrer Generalversammlung in Rendsburg erstmals einen sechsstelligen Gewinn vermelden. Kontroverse Diskussionen gab es um die elektronische Gesundheitskarte.

In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Aufruf wurden alle ärztlichen Körperschaften und die Modellregionen aufgefordert, die Mitarbeit an der Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte zu stoppen. Die Betreibergesellschaft Gematik und die Politik sollten nach Ansicht der Genossen Kosten-Nutzenrelationen und alternative Lösungen prüfen.

Gegen den Aufruf hatte sich zum Beispiel Dr. Ingeborg Kreuz aus dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) ausgesprochen. Kreuz, selbst Hausärztin aus der Modellregion Flensburg, verwies auf die Erkenntnisse, die Ärzte bei der Erprobung in den Modellregionen sammeln und in ihre Forderungen bei der Einführung der E-Card einfließen lassen: „Das liefert uns Argumente für die politische Diskussion.“ Außerdem hält sie die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages in Münster zu diesem Thema für ausreichend, um die Bedenken der Ärzte zu berücksichtigen.

Dr. Svante Gehring von den UnderDocs sprach sich für den Ausstieg aus den Modellregionen aus: „Wenn wir das nicht stoppen, wird es heißen, Ihr habt doch daran mitgearbeitet.“ Hausarzt Andreas Stanisak kritisierte die noch immer ungelöste Kostenfrage. Flensburgs Netzvorsitzender Dr. Eckehard Meissner mahnte zur Differenzierung. Er kritisierte insbesondere den hohen Aufwand für die verordnenden Ärzte beim elektronischen Rezept, stellte aber auch klar: „Die elektronische Vernetzung und den Heilberufeausweis können wir gebrauchen.“ Insgesamt gab es bei rund 65 anwesenden Mitgliedern sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zu dem Aufruf.

Aus dem Vorstand der KVSH: Dr. Ingeborg Kreuz
Kritisch setzte sich Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann mit der Rolle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei der Durchsetzung der finanziellen Ansprüche der Vertragsärzte auseinander. Um die Unterfinanzierung im ambulanten Bereich zu beenden, sollte die KBV nach Ansicht Bittmanns notfalls eine Ersatzvornahme durch das Bundesgesundheitsministerium riskieren. „Die Verantwortung für die Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung liegt dann bei der Politik“, sagte Bittmann. Um die bisherige Unterfinanzierung zu beenden, sind nach Angaben Bittmanns neun Milliarden Euro auf haus- und fachärztlicher Seite notwendig. „Diese Forderungen müssen erfüllt werden, sonst bleibt es trotz Berechnung auf Euro und Cent bei einer inflationären Muschelwährung“, sagte Bittmann. Sollte die Unterfinanzierung nicht behoben werden, hätten KVen und freie Verbände die Pflicht, die Ärzteproteste fortzusetzen. „Die Verbände werden faule Kompromisse nicht mittragen“, kündigte Bittmann an.

1. Vorsitzender der UnderDocs: Dr. Svante Gehring
„Die KBV hat sich von geplanter Fundamentalopposition entfernt, zeigt bekannte Politikfähigkeit und setzt um, mit unbegreiflichem Optimismus wird ein neuer EBM vorbereitet. Dies ist ein für die Ärzteschaft schwer nachvollziehbarer Gesinnungswandel“, sagte Bittmann.

Geschäftsführer Thomas Rampoldt konnte in Rendsburg das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen präsentieren. Ein Gewinn nach Steuern in Höhe von 108 153 Euro ist das bislang beste Ergebnis für die Genossen. Wichtigster Anteil an den Erlösen in Höhe von 786 117 Euro sind die Erträge aus Beteiligungen, wohinter sich hauptsächlich die hundertprozentige Tochter Q-Pharm verbirgt. In 2006 überwies die Generikavertriebsfirma 351 857 Euro an die Genossenschaft. Weitere Erlöse erzielt die Organisation etwa aus Provisionserlösen oder aus der Betreuung von Arztgruppen. Die Q-Pharm selbst erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,8 Millionen Euro und liegt weiter auf Wachstumskurs. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit Erlösen von 12,5 Millionen Euro. Wachstumspotenzial sieht Rampoldt für die Genossenschaft auch in anderen Geschäftsfeldern. „Deutliche Steigerungen“ seien etwa noch bei der Betreuung von Arztgruppen möglich. Scheinbar ausgereizt ist dagegen das Mitgliederwachstum. Mit 2 145 Ärzten zum Jahresende 2006 blieb die Zahl im Laufe des Jahres nahezu konstant (2 141 ein Jahr zuvor). Nach Angaben Rampoldts können zwar jedes Jahr rund 50 neue Mitglieder gewonnen werden, ebenso viele scheiden aber wegen Praxisaufgabe auch aus.

Copyright © Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 7/2007

Quelle: http://www.aeksh.de/shae/2007/200707/h070730a.html oder als pdf (122KB)


Ärzte Zeitung, 13.06.2007

Ärzte-Genossen wollen bei der E-Card aussteigen

Beschluss in Rendsburg

RENDSBURG(di). Die Generalversammlung der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein hat alle ärztlichen Körperschaften und die Modellregionen aufgerufen, die Mitarbeit an der Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte zu stoppen. Die Betreibergesellschaft gematik und die Politik wurden aufgefordert, die Kosten-Nutzen-Relationen und alternative Lösungen zu überdenken.
Die rund 65 anwesenden Ärzte bei der Generalversammlung beschlossen den Aufruf bei sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Gegen den Aufruf hatte sich etwa Dr. Ingeborg Kreuz vom schleswig-holsteinischen KV-Vorstand ausgesprochen.
Die Hausärztin aus der Modellregion Flensburg verwies auf die Erkenntnisse, die Ärzte bei der Erprobung sammeln und in ihre Forderungen bei der Einführung der E-Card mit einfließen lassen: "Das liefert uns Argumentationen für die politische Diskussion." Außerdem hält sie die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages in Münster zu diesem Thema für ausreichend, um die Bedenken der Ärzte zu berücksichtigen.
Dr. Svante Gehring von der Ärzteorganisation Underdocs sprach sich für den Ausstieg aus den Modellregionen aus: "Wenn wir das nicht stoppen wird es heißen, Ihr habt doch daran mitgearbeitet." Hausarzt Andreas Stanisak kritisierte die noch immer ungelöste Kostenfrage.
Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann stellte klar, dass die Haltung der Genossen nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun hat. Flensburgs Netzvorsitzender Dr. Eckehard Meissner mahnte zur Differenzierung. Er kritisierte insbesondere den hohen Aufwand für die verordnenden Ärzte beim E-Rezept, stellte aber auch klar: "Die elektronische Vernetzung und den Heilberufeausweis können wir gebrauchen."

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/06/13/107a0502.asp?cat=/computer oder als pdf (74 KB)


Ärztliche Praxis, 23.Mai 2007

Nach Resolution des Deutschen Ärztetags

Ärzte fühlen sich in Bedenken gegen eCard bestätigt

Ärzte, die sich gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in der bisherigen Form wenden, fühlen sich durch die ähnlich lautende Resolution des Deutschen Ärztetags bestätigt.

23.05.07 - Das Arzt-Patienten-Verhältnis dürfe nicht durch die Speicherung sensibler Daten auf zentralen Rechnern beschädigt werden, heißt es in dem von den 250 Delegierten mehrheitlich gefassten Beschluss. "Wir wollen mehr Qualität und mehr Sicherheit", sagte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe nach Abschluss der viertägigen Beratungen des 110. Ärztetages am Freitag in Münster. Ebenso pochten die Ärzte darauf, Praxisabläufe nicht zu behindern. Die Kosten der milliardenschweren Entwicklung sollten nicht auf Ärzte und ihre Patienten abgewälzt werden.

"Nun sollten sich auch die Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung in Schleswig-Holstein hinter die Resolution des Deutschen Ärztetages stellen oder eindeutig begründen, warum Sie an dem laufenden Test der eCard in Flensburg weiter teilnehmen wollen", kommentiert der 1. Vorsitzende von "UnderDOC", Dr. med. Svante Gehring die auf dem Ärztetag beschlossene Resolution. Die UnderDOCs sind ein eingeschriebener Verein niedergelassener Haus- und Fachärzt/innen, die eine Entbürokratisierung und mehr Transparenz im Gesundheitswesen fordern. In Schleswig-Holstein haben sie sich gegen die Einführung der elektronische Gesundheitskarte engagiert.

Die Kernforderungen der UnderDOCs finden sich nun auch in der vom Ärztetag abgestimmten Resolution wieder. Darin sieht die Ärzteschaft das Arzt-Patienten-Verhältnis durch die Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Rechnern gefährdet, da die Daten so nicht sicher vor dem Zugriff Dritter geschützt werden könnten. Auch wird die Einteilung der Patienten in Risikoklassen abgelehnt, die u.a. mit der Einführung des elektronischem Rezeptes realisiert werden soll. Weiterhin wird der Nutzen der eCard bezweifelt, da u.a. die Praxisabläufe behindert würden und die Kosten der milliardenschweren Entwicklung auf Patienten und Ärzte abgewälzt werden sollen.

Resolution kann online heruntergeladen werden

Dabei wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass den Ärztinnen und Ärzten es bei ihrem Widerstand gegen die Einführung der eCard nicht um materielle Interessen gehe, sondern um die Sicherung ihres ärztlichen Entscheidens und Handelns in einem von Vertrauen geprägten Verhältnis zu ihren Patientinnen und Patienten. "Ob nun der Zugriff auf Privatkonten, die Speicherung unserer Telefonate, die Vorratsspeicherung oder nun die mit der eCard vorbereitete Nutzung von Patientendaten und totale Steuerung des Gesundheitswesen, dieser Staat macht mir langsam wirklich angst", meint Gehring. Er fordert daher die Ärzte in Schleswig-Holstein auf, sich der Resolution der UnderDOCs gegen die eCard anzuschließen (herunterladbar bei www.underdocs.de), um den Druck auf die eigenen Körperschaften im Lande zu erhöhen.

Auch Martin Grausduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft, hat den Präsidenten der Bundesärztekammer aufgefordert, sich unverzüglich für die Umsetzung des Beschlusses der Delegiertenversammlung einzusetzen. "Das derzeitige Projekt "elektronische Gesundheitskarte" hat jede Legitimation durch die Ärzteschaft mit dem Beschluss vom 18. Mai 2007 verloren", heißt es in einem offenen Brief an Hoppe.

Quelle: http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_politik_aktuell_underdocs_1179916821.htm oder als pdf ( 9K)


Facharzt.de - Ärztlicher Nachrichtendienst, Sa. 19.Mai.2007

Verein "UnderDOCs" sammelt Unterschriften gegen eGK in Schleswig-Holstein

Der Deutsche Ärztetag hat die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) abgelehnt – jetzt müssen auch die Kammern und KVen in den Bundesländern Stellung beziehen, in denen die Tests des Kartensystems laufen. Dies fordert die Ärzteorganisation "UnderDOCs" aus Schleswig-Holstein in einer aktuellen Pressemitteilung. Auch Kammer und KV in dem nördlichsten Bundesland müssten sich "hinter die Resolution des Deutschen Ärztetages stellen oder eindeutig begründen, warum Sie an dem laufenden Test der eCard in Flensburg weiter teilnehmen wollen", fordert der Vorsitzender der Vereinigung, Dr. Svante Gehring in dem Schreiben.

Der Verein "UnderDOCs" habe sich in der Vergangenheit gegen die Einführung der elektronische Gesundheitskarte engagiert und inzwischen in einer an die eigenen Körperschaften gerichtete Resolution gegen die eGK 346 Unterschriften gesammelt. "Die Kernforderungen der UnderDOCs finden sich nun auch in der vom Ärztetag abgestimmten Resolution wieder. Darin sieht die Ärzteschaft, das Arzt-Patienten-Verhältnis durch die Speicherung sensibler Patientendaten in zentralen Rechnern gefährdet, da die Daten so nicht sicher vor dem Zugriff Dritter geschützt werden könnten", heißt es weiter in der Mitteilung.

Ein verbesserter Datenaustausch im Gesundheitswesen ist Gehring zufolge zwar erstrebenswert, doch dafür werde die eGK nicht benötigt. Mit der Einführung der Karte drohe den Bürgern nur ein weiter Schritt in Richtung Überwachungs- und Zuteilungsstaat. "Ob nun der Zugriff auf Privatkonten, die Speicherung unserer Telefonate, die Vorratsspeicherung oder nun die mit der eGK vorbereitete Nutzung von Patientendaten und totale Steuerung des Gesundheitswesen, dieser Staat macht mir langsam wirklich angst." Gehring fordert daher die Ärzteschaft und Psychologen in Schleswig-Holstein auf, sich der Resolution der UnderDOCs gegen die eKG anzuschließen, "um den Druck auf die eigenen Körperschaften im Lande zu erhöhen" zu können.




Nordlicht AKTUELL 0 5 | 2 0 0 7

TELEMATIK

Ärzte in ganz Deutschland diskutieren über die elektronische Gesundheitskarte und das gesamte Thema Telematik. Dabei gehen die Meinungen quer durch die Ärzteschaft – wie sinnvoll ist die eCard, welcher Nutzen entsteht dabei für Patienten und Ärzte, wie stark sollten sich Ärzte an der Einführung beteiligen, welche Kosten entstehen dabei?

Ärzte mutieren zu Cyber-Doktoren, die sich im Callcenter durch die Datenkörper virtueller Patienten arbeiten und nach staatlichen Vorgaben entscheiden müssen, ob ein Telearzt, die Gemeindeschwester oder ein MVZ eingeschaltet werden - dieses Szenario nach dem amerikanischen Vorbild des  "Managed Care " will Dr. Svante Gehring für Deutschland verhindern. Der Arzt aus Norderstedt hat deshalb Bedenken gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und im späteren Ausbauschritt der elektronischen Patientenakte. Einen medizinischen Nutzen durch die Einführung der eCard kann er nicht erkennen, wohl aber jede Menge Risiken.

Gehring bemängelt den mit der Einführung der Karte verbundenen Arbeitsaufwand in den Praxen. Bei einem zeitlichen Aufwand von 15 Minuten, die Ärzte alleine für das Beschreiben der eCard mit Patientendaten benötigen, fallen bei 1.000 Patienten in einer Praxis 250 Arbeitsstunden an. Gehring erwartet nicht, dass Politik und Krankenkassen den Ärzten hierfür einen Ausgleich zahlen – er rechnet deshalb mit Honorarausfällen in Milliardenhöhe. Außerdem vertraut Gehring nicht darauf, dass die auf einem Zentralserver abgelegten Daten vor unberechtigtem Zugriff und vor Viren geschützt sind. Durch den Datenabgleich und das eRezept, so die Befürchtung Gehrings, könnten detaillierte Patienten- oder Arztprofile erstellt, Krankheits- oder Behandlungsverläufe rekonstruiert und sollen Risikoprofile der Patienten erstellt werden.  "Wer die Datenhoheit besitzt, kann Patienten, Ärzte und Versichertengelder nach Belieben steuern ", gibt er zu bedenken.

Zugleich bezweifelt er den Nutzen der eCard. Zum Beispiel bei einem Notfall: Ein Arzt wird sich nach seiner Einschätzung beim Notfall sofort dem Patienten zuwenden, statt sich mit den Daten auf der eCard zu beschäftigen. Dort findet er lediglich die Informationen, die der Patient dafür freigegeben hat - ein kompletter Überblick für den Notarzt ist also nicht möglich. Und:  "Wer hat die Zeit und das Personal, im Notfall die Karte einzulesen ", fragt sich Gehring. Auch das Argument, dass sich mit Hilfe der auf der Karte gespeicherten Informationen unerwünschte Wechselwirkungen von Arzneimitteln vermeiden lassen, hält er für fraglich – dies könnten Ärzte und Apotheker auch heute schon leisten. Und zum Thema Doppeluntersuchun- gen, die mit Hilfe der Telematik verringert werden sollen, gibt der Norderstedter Arzt zu bedenken:  "Wie groß ist der Schaden wirklich? Die meisten Untersuchungen gehen doch bereits in Fall- und Behandlungspauschalen unter. "

Gehring befürchtet, dass Ärzte mit der Unterstützung der Testphase einen taktischen Fehler begangen haben. Das Bundesministerium für Gesundheit könne nach SGB V § 291 b Abs. 4 ohne parlamentarische Kontrolle jederzeit nach Einführung der eCard die Spielregeln, z. B. auch für den Datenzugriff, ändern. Er befürwortet daher einen Boykott, um den Gesetzgeber zu einer Klärung der offenen Fragen zu bewegen und die Ärzte in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen. Anschließend sollte die eCard nach seiner Ansicht in einer Region mit dann allen Funktionen in einer dezentralen Datenspeicherungsvariante getestet werden. Die derzeitigen Testregionen dagegen sieht er vom Gesetzgeber und Untenehmen missbraucht für Marketingzwecke, um die Akzeptanz für das Projekt in der Bevölkerung und in der Ärzteschaft zu erhöhen.




Der 44jährige Internist Dr. Svante Gehring ist als Hausarzt seit 2004 in Praxisgemeinschaft in Norderstedt niedergelassen. Berufspolitisch engagiert er sich als erster Vorsitzender der UnderDOCS. Außerdem ist Gehring Mitglied in der Ärztegenossenschaft Schleswig- Holstein und in der Freien Ärzteschaft. Gehring gehört zur Aktivistenszene in der Ärzteschaft. Er begrüßt es, wenn Ärzte heute nicht mehr bereit sind, zu jeder Entscheidung des Gesetzgebers  "political correct" zu reagieren und sagt:  "Es ist gut, dass Ärzte heute den Mund aufmachen." Seine wichtigsten Vorbehalte gegen Telematik im Gesundheitswesen:


• Eine Kontrolle über die Gesundheitsdaten ermöglicht nach seiner Einschätzung detaillierte Arzt- und Patientenprofile. Die Steuerungsmacht des Staates im Gesundheitswesen wird damit nach seiner Ansicht ausgebaut. Die Einteilung der Bevölkerung in Risikoklassen lehnt Gehring ab.

• Telematik ist nach seiner Ansicht teuer, ohne dass ein medizinischer Nutzen entsteht. Gehring befürchtet, dass Ärzte zu den finanziellen Verlierern bei der Einführung von Telematik im Gesundheitswesen zählen werden.




Ärzte Zeitung, 14.05.2007

Freie Ärzteschaft und UnderDocs kooperieren

Ärztegruppen im Norden auf gemeinsamem Kurs

NORDERSTEDT (di). Die Freie Ärzteschaft und die UnderDocs wollen in Schleswig-Holstein enger zusammen arbeiten. Gemeinsame Arbeitsgruppen haben die beiden Organisationen zu den Themen Selektivverträge und elektronische Gesundheitskarte eingerichtet.

"Wir müssen den Mut haben, Körperschaften, Funktionäre und Altverbände hinter uns zu lassen und von der Basis aus mit kreativen Ideen eine neue Zukunft für freie Ärzte schaffen", sagte Dr. Manuela Peters von der Freien Ärzteschaft auf einer Veranstaltung mit den Underdocs, einer auf den Norden begrenzten Ärztegruppierung, die etwa gegen die Praxisgebühr und gegen einen Hausarztvertrag der KV Schleswig-Holstein protestiert hatte.

Erster Schritt zu einer engeren Kooperation beider Gruppierungen ist die Einrichtung der beiden Arbeitsgruppen. Zum Thema Selektivverträge kündigte Underdocs-Vize Dr. Martin Gattermann an: "Wir werden die Vertragsabschlüsse von KV und Hausärzteverband auf der einen Seite und unserer Ärztegenossenschaft auf der anderen Seite kritisch begleiten, aber auch eigene Vorschläge unterbreiten. " Der Allgemeinmediziner aus St. Peter-Ording fordert seine Kollegen auf, durch die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen "Ängste und Resignation" zu überwinden.

Zum Hintergrund: KV und Ärztegenossenschaft in Schleswig-Holstein verhandeln derzeit Verträge mit den Krankenkassen, etwa zum Thema Kostenerstattung. Viele Ärzte im Norden sind irritiert, dass die beiden Organisationen dabei zum Teil in Konkurrenz stehen.

Die kritische Haltung von Freier Ärzteschaft und Underdocs zur elektronischen Gesundheitskarte zeigt sich in der Arbeit der zweiten Arbeitsgruppe. "Die E-Card dient der staatlichen Steuerung und bindet die ohnehin knappen Ressourcen Geld, Personal und Zeit im Gesundheitswesen", kritisiert der Underdocs-Vorsitzende Dr. Svante Gehring. Der niedergelassene Arzt aus Norderstedt hat inzwischen 344 Unterschriften in Schleswig-Holstein für eine Resolution gegen die E-Card gesammelt.

Beide Organisationen stufen außerdem die mit Hilfe des elektronischen Rezeptes mögliche Einteilung der Bevölkerung in Risikoklassen als bedenklich ein. Einen medizinischen Nutzen bezweifeln sie.

Stattdessen befürchten sie einen "digitalen Irrweg, der nur Kassen, Politik und Industrie nützt, aber Arbeitsplätze im Gesundheitswesen vernichtet".






Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 3/2007


Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein unterstützt UnderDOCs-Resolution gegen die elektronische Gesundheitskarte und Patientenakte

Dr. Svante Gehring
(Foto: Privat)
Dr. Klaus Bittmann
(Foto: KVSH)

Die Ärztegenossenschaft in Schleswig-Holstein (ÄGSH) stellt sich auf die Seite der UnderDOCs und unterstützt deren Resolution gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und Patientenakte (ePA).

Der 1. Sprecher der ÄGSH, Dr. Klaus Bittmann, findet in einem Anschreiben an seine Mitglieder in der letzten Woche klare Worte: „Daher rufen wir die gesamte Ärzteschaft zum Boykott weiterer Vorbereitung zur elektronischen Gesundheitskarte auf, insbesondere Kolleginnen und Kollegen in den Testregionen! Noch ist die Teilnahme freiwillig, machen Sie nicht freiwillig mit! Dies ist keine technikfeindliche Haltung, sondern die berechtigt ablehnende Haltung gegen ein Monster voller Risiken für die Versicherten und die Ärzteschaft.“

In einer Anlage wurde die Resolution der UnderDOCs den Mitgliedern zur Kenntnis gegeben. Dr. Svante Gehring, 1. Vorsitzender der UnderDOCs, ist erstaunt über das große Echo, allein am 1. Tag erhielt er 29 Unterschriften der Resolution zugesandt. „Um der Resolution Gültigkeit zu verleihen, brauchen wir die Originalunterschriften“, gibt Dr. Gehring zu bedenken, „bei vergangenen Aktionen wurden Fax-Unterschriften angezweifelt.“ Die UnderDOCs rufen alle Kollegen(innen) in Hamburg und Schleswig-Holstein auf, sich der Resolution anzuschließen. Die kann unter „Aktionen“ auf der Seite www.underdocs.de heruntergeladen werden. (Dr. Gehring)

Quelle: Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 3/2007, S. 6-11 oder pdf (89 KB)


 

24.August 2006, Ärzte-Zeitung Nr. 148/2006

Hausarztvertrag lohnt sich für Kollegen nicht

Geringe Beteiligung in Schleswig-Holstein / Ärzte gegen Bevorzugung von Patienten / KV wirbt mit Zusatz-Honorar

BAD SEGEBERG (di). Der erste Hausarztvertrag im Norden wird nur von einer Minderheit von Ärzten mit Leben gefüllt. Der Grund: Wegen der geringen Versichertenzahl der beteiligten Krankenkassen lohnt sich der Aufwand für die Praxen nicht.

Als "sehr hoch" hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein nach Vertragsabschluß mit GEK und HZK im Frühsommer noch das Interesse der Hausärzte im Norden an dem Vertrag eingestuft. Diese Einschätzung erweist sich offenbar als zu optimistisch: Bislang haben sich nur 185 der etwa 2000 Hausärzte in Schleswig-Holstein am Hausarztvertrag beteiligt.

Kritik und stille Ablehnung gibt es reichlich. Am massivsten von über 300 Ärzten, die per Unterschrift das sogenannte zweite Eiderstedter Manifest unterstützen - und damit die Inhalte des Hausarztvertrages offen ablehnen.

   

Ärzte sehen keine Verbesserung der Qualität.

 

 

"Der Hausarztvertrag stellt eine unnötige Einengung ohne substanzielle Verbesserung dar", sagt der Initiator des Manifestes, der Hausarzt Dr. Martin Gattermann aus St. Peter Ording. Im Manifest wird bezweifelt, daß mit dem Hausarztvertrag eine Qualitätsverbesserung erreicht wird. Kritisiert wird auch, daß Versicherte einzelner Krankenkassen etwa bei Warte- und Konsultationszeiten bevorzugt werden. Gattermann wertet diese Bevorzugung als taktisch falsch und unethisch: "Premiumpatienten kann es nicht geben."

Der nordfriesische KV-Kreisstellenvorsitzende Dr. Thomas Maurer kann sich eine bessere Resonanz auf den Hausarztvertrag nur vorstellen, wenn mehrere große Krankenkassen beitreten und sich damit der Aufwand für die Praxen lohnt. Schleswig-Holsteins Hausärztechef Nicolay Breyer beteiligt sich ebenfalls nicht. "Zum Hausarztvertrag habe ich nur negative Resonanz erfahren", sagt Breyer. Er stellt klar, daß sein Verband bei den Gesprächen zur Vereinbarung nicht eingebunden war.

Die KV verteidigte den Vertrag unter anderem mit dem Hinweis, daß über Sonderverträge zusätzliches Honorar ins System fließt. Dem damit verbundenen Mehraufwand an Dokumentation könne durch "landesweite und einheitliche Verträge" begegnet werden.

"Wir sind froh über den Vertrag, er ist die Eintrittskarte für weitere Vereinbarungen", sagte KV-Sprecher Robert Quentin der "Ärzte Zeitung". Die Körperschaft will in Kürze mit weiteren Kassen über die hausarztzentrierte Versorgung sprechen.
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Nordlicht Aktuell, 03/2006, Seite 8

Warum soll ich Äffchen machen?

Es ist zu loben, dass eine Krankenkasse die Möglichkeit eingeräumt bekommt, sich in unserem Standesblatt zu erläutern. Auch löblich ist der recht defensiv geratene Ton. Wunderbar ist, dass Herr Dr. Paffrath darauf verzichtet, dem Risikostrukturausgleich eine qualitätssteigernde (neudeutsch: qualitätssichernde) Funktion zuzuschreiben. Woran ich mich aber störe, sind die Nebelkerzen, die auch er zündet.
Die Feststellung verfassungsgerichtlicher Anerkennung macht den Risikostrukturausgleich keinen Deut besser. Ärztliche Zweifel bestehen ja nur selten an der Legalität, wohl aber vehement an der Legitimität oder, einfacher an der Notwendigkeit des Risikostrukturausgleichs. Warum hier solch derart große Mengen Geldes erst einmal auf die Straße geworfen werden müssen, damit jemand (anderes) einsammeln kann, muss man nicht wirklich verstehen.
Meines Wissens ist die AOK die Kasse, die aus dem Risikostrukturausgleich den Löwenanteil einstreichen darf. Sie ist aber auch die Kasse, die bis zum heutigen Tag auf jedem Brief damit werben zu müssen glaubt, die "Kasse mit den meisten Nebenleistungen" zu sein (zertifiziert durch Stiftung Warentest, glaube ich). Das heißt doch aber, dass sie das Geld anderer Kassen dafür einsetzt, werbewirksame Ausgaben zu tätigen, zu denen sie nicht verpflichtet wäre. Am wenigsten kann man verstehen, dass sich die 80 abgemolkenen Mitbewerber das gefallen lassen.
Was mich am meisten (ver)stört, ist die fortgesetzte Wiederholung einer anderen fundamentalen Denkfalle: Warum soll es eigentlich MEIN Problem als Kassenarzt sein, wie die Krankenkasse ihr Geld bekommt, von dessen sehr kleinem Teil sie dann meine Arbeit honoriert? Nirgendwo in unserer Leistungsgesellschaft kenne ich sonst eine solche Kopplung: Geld folgt dort der Leistung, dies gilt zumindest für alle "Dienstleister", derer ich mich bediene. Also: Warum soll ICH "Äffchen machen", damit eine Krankenkasse aus einem irrationalen Geldsack etwas bekommt, von dem sie mich bezahlt?
Mein Gegenvorschlag: Abschaffung dieser geldvernichtenden Bürokratiemonster, und wir werden sehen, dass das gleiche Geld dann plötzlich für alle reicht. Ohne Bücklinge, ohne (gedankliche) Verbiegungen. Man könnte es zumindest einmal versuchen.

(veröffentlicht in: Nordlicht Aktuell, 03/2006, Seite 8)



Ärzte-Zeitung, 20.03.2006

AOK im Norden hofft auf erhöhte DMP-Akzeptanz bei Ärzten

Extrabudgetäre Pauschale für den Verwaltungsaufwand / Krankenkasse will Bürokratie eindämmen / Viele Niedergelassene sind skeptisch

KIEL (di). Der zusätzlichen Verwaltungspauschale für DMP-Ärzte im Norden sollen weitere Schritte folgen, um die Akzeptanz für die Programme bei den Ärzten zu erhöhen. Die AOK erwartet, daß die Mittelaufstockung zu erhöhten Einschreibungen führen wird. ....
(veröffentlicht in: Ärzte-Zeitung, 20.03.2006)
kpl. Interview -->>



Nordlicht Aktuell, 02/2006, Seite 6

AUFRUF ZUM UNGEHORSAM – ODER:
Das Heilmittelbudget als Salzsteuer
Politik lebt von Symbolen – Gesundheitspolitik leider auch mit Symptomen. Als ein Symptom unserer kranken Kassenmedizin verstehe ich das seit Jahresbeginn lautlos installierte individuelle Heilmittelbudget.
Was liegt ihm zugrunde? Der Positivkatalog Heilmittelverordnung war kollektiv budgetiert, was aus Sicht des kleinen Kassenarztes eher eine Kalkulationsgrundlage der Krankenkasse denn eine Restriktion für den Verordner sein konnte. Wenn im Heilmittelkatalog Indikationen vorgehen und Wirtschaftlichkeit etc. beachtet werden, müsste hier eigentlich das, was erforderlich erscheint, auch regressangstfrei möglich sein. ....
(veröffentlicht in: Nordlicht Aktuell, 02/2006, Seite 6)
kpl. Leserbrief -->>